P R E S S E - I N F O

Voransicht: aktuelles Pressefoto von Christoph BayerFür die Berichterstattung durch Journalisten ist im Pressebereich eine aktuelle Zusammenstellung der persönlichen Informationen über Christoph Bayer, seinen politischen Werdegang und die politischen Schwerpunkte seiner Arbeit als Landtagsabgeordneter zum Download hinterlegt.
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  P R E S S E / Schule und Bildung

Enquetekommission Weiterbildung

Ergebnisse der Pressekonferenz vom 24. September 2009


In kaum einem anderen Politikbereich klaffen Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander wie in der Weiterbildung. Das trifft auch in BW zu. Fast parallel zu der immer wieder hervorgehobenen Bedeutung lebenslangen Lernens wurden hier die Landesanteile der Förderung seit 1996 um 60 % gekürzt. Dabei gibt es - auch von wissenschaftlicher Seite - überhaupt keine Zweifel, daran, dass bei weiter anhaltender Unterinvestition in das Lebenslange Lernen kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum in Deutschland entstehen kann.

Der deutsche Volkshochschulverband hat schon 2005 Politik und Wirtschaft aufgefordert ausreichend Mittel für eine Weiterbildungsinitiative zur Verfügung zu stellen, damit der größte Bildungsbereich seine Schubkräfte für mehr Wachstum, Produktivität und Chancen des Einzelnen in der Gesellschaft voll entfalten kann.
Eine Forderung, die in der Krise noch an Wichtigkeit gewinnt.

Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Bei der Weiterbildung gibt es eine klare soziale Spaltung.
  Von Menschen mit niedriger schulischer und beruflicher Bildung nimmt nur jeder fünfte an Weiterbildung teil, dagegen über 60 % der Hochqualifizierten.
  Bei den in Deutschland lebenden Ausländern sind es lediglich 18 % - vornehmlich Sprachkurse.
  Mit zunehmendem Alter nimmt die Weiterbildungsbeteiligung ab.
  In der allgemeinen Weiterbildung sind Frauen wesentlich stärker präsent, sie können daraus aber keine Chancen für berufliche oder gesellschaftliche Aktivitäten herleiten. Bei der beruflichen Weiterbildung sind Kindererziehung und fehlende Infrastruktur bei der Betreuung nachweisbar ein Hemmnis für die Beteiligung.
  Es gibt eine einseitige Verschiebung der Finanzierung zu Lasten der Teilnehmenden. Diese Tendenz führt zu einer schleichenden Privatisierung, zu einer Reduzierung von Angeboten, die sich nicht selbst tragen. (wie z.B. bei der politischen Bildung)

Fazit: Unter den gegebenen Bedingungen verschärft Weiterbildung eher die Auslese und verstärkt Ungleichheit, satt sie auszugleichen. Und dies vor dem Hintergrund, dass Weiterbildung Verfassungsrang hat (§22 Landesverfassung)

Deswegen heißt unsere bildungspolitische Leitlinie in allen Clustern unseres Bildungsaufbruchs: Chancengleichheit - Bessere Bildung für alle - gerade auch in der Weiterbildung.
Deswegen ist es wichtig, Weiterbildung als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge anzusehen.
Die wichtigste Herausforderung besteht also darin, die öffentliche Wahrnehmung des Weiterbildungssektors als gesamtgesellschaftliche Aufgabe deutlich zu verbessern und daraus eine nachhaltig angelegte Weiterbildungsoffensive zu starten.


Diesem Ziel dient die von uns angestrebte Enquetekommission.
Da gehört zunächst eine ehrliche Bestandsanalyse her und dann müssen Antworten auf die dringlichsten Fragen gefunden werden.

  Wie erreicht man besser und nachhaltig bildungsferne Schichten
  Wie kommt man in wichtigen Bereichen weg von (drittmittelfinanzierten) Modellen zu einer tragenden, flächendeckenden Struktur?
  Wie kommt man von der Schlusslichtposition bei der öffentlichen Finanzierung zumindest zu einem bundesdeutschen Durchschnittswert?
  Wie kann der zweite Bildungsweg gesichert und ausgebaut werden?
  Wie kommt man zu einer biografieorientierten, unabhängigen und vom Land mitfinanzierten, in der Fläche verankerten Bildungsberatung?
  Wie kommt man zu einer Angebotsstruktur, die sich mehr an Kompetenzen, als an Themen orientiert? (Dies ist in etwa der Paradigmenwechsel in den Schulen vom "Lehrplan" zum "Bildungsplan")
  Wie kann auf regionaler Ebene eine Verzahnung von allgemeiner und beruflicher Weiterbildung erreicht werden?
  Wie kommt man weg von der großen Anzahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse in der Weiterbildung?

Ich nenne als weiteren zentralen Punkt für die Arbeit in der Enquetekommission die Novellierung des Weiterbildungsgesetzes mit dem Ziel
den Trägern finanzielle Planungssicherheit und den Beschäftigten ein Recht auf Bildungsurlaub zu geben.
Nur so kommt man zu einem für Menschen aller Milieus und aller Altersschichten zugänglichen und passenden Angebot und ist auch für neue Aufgaben gerüstet, z.B. eine systematisierte Elternbildung.

Damit wären die Leitplanken für die Enquetekommission gelegt.
Ich gehe davon aus, dass es auf dieser Grundlage zu einer tragfähigen Absprache zwischen den Fraktionen kommen kann. Dabei muss das zwischen CDU und Grünen ausgehandelte "Geheimpapier", das mir allerdings erst gestern nach der Schulausschusssitzung zugesteckt wurde, natürlich erst noch inhaltlich geprüft werden und ich vermute, dass es hier bei der FDP ebenfalls noch Beratungsbedarf gibt, die das besagte Papier bis gestern Abend noch nicht vorliegen hatte.

Wir jedenfalls wollen mit dieser Enquete eine Initialzündung für die Weiterbildung im Lande.

Längerfristig ist es notwendig zu Weiterbildungsstrukturen zu kommen, die auch inhaltlich, bzw. pädagogisch non - formale Lernprozesse mit einschließen.

Weiterbildungbeteiligung
Personen mit niedrigem schulischem Abschluss: 34%
Mit Abitur: 65%


Zugang zu Weiterbildung erleichtern durch
einen Recht auf Weiterbildung,
einen Rechtsanspruch auf grundsätzlich offene Zugänge und Lernzeitansprüche
Es sollte einen individuellen Rechtsanspruch für Arbeitsnehmerinnen und Arbeitnehmern geben. Der Anspruch auf Bildungsurlaub soll für längerfristige Weiterbildungsangebote verwendbar und inhaltlich breiter genutzt werden können.
Z.B.: Die Bildungsurlaubsregelungen sollten so weiterentwickelt werden, dass sie auch die heutigen Formen sozial und politischen Engagement mit einbeziehen.

Öffentlich finanzierte, gegenüber Bildungsbenachteiligten aktivierende, unterstützende Bildungsberatung

DGB Forderung:
Weiterbildungsgesetz novellieren mit dem Ziel
Sicherung der Mindeststandards für Zugang, Finanzierung, Angebotsbreite, Qualitätssicherung und Transparenz


Pressemitteilung von Christoph Bayer vom 24. September 2009

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