P O L I T I K W E R K S T A T T
Singen-Bewegen-Sprechen solide finanziert
Musik und Bewegung stärken Sprachfähigkeit und kindliche Persönlichkeit
"Henriette heißt die nette, alte, kleine Bimmelbahn. Henriette, Henriette fuhr noch nie nach einem Plan." Die Bahn pfeift, zischt, dampft und raucht, setzt sich in Bewegung und nimmt alle Kinder in der Bewegungshalle der Kindertagesstätte Kohlerhof in Breisach mit auf die Reise. "Seit letzten Herbst machen wir mit beim Programm 'Singen - Bewegen - Sprechen' und wir haben nur gute Erfahrungen gemacht." Dagmar Bein, die Leiterin der Kita Kohlerhof ist sehr zufrieden mit dem Angebot. "Auch schwierige Worte kommen einem über die Lippen, wenn man sie singt. Wir hatten beispielsweise ein Kind, das sehr schüchtern war und kaum gesprochen hat. Nach einigen Stunden SBS begrüßt mich nun das Kind und spricht mich auch von selbst an."
Schon Kindergartenkinder musizieren gerne
Im Oktober 2010 startete das Kultusministerium das musikalische Bildungsprogramm "Singen - Bewegen - Sprechen (SBS)" für 1.000 der rund 8.000 Kindertagesstätten in ganz Baden-Württemberg. "Singen, Bewegen und Sprechen sind in der kindlichen Entwicklung eng miteinander verbunden. Kinder erleben beim Sprechen und Musizieren elementare Freude. Diese Freude gilt es aufzugreifen und pädagogisch zu nutzen", begründete das Kultusministerium das Landesförderprogramm. Im März 2011 kamen weitere 400 Einrichtungen hinzu. Zurückgreifen konnte das Kultusministerium auf ein Modellprojekt, das der Landesverband der Musikschulen Baden-Württembergs im Auftrag der Stiftung Kinderland in 17 Kindergärten zwischen 2007 und 2009 erfolgreich durchgeführt hatte. Dabei wurde systematisch untersucht, wie aktives Musizieren den Entwicklungsprozess von Kindern bis zur Einschulung positiv beeinflussen kann. Gezeigt werden konnte, dass die Schulfähigkeit der Kinder durch qualifizierte Musikerziehung, die speziell auf die Interessen und Themen der Kindergartenkinder eingeht, erheblich gesteigert werden kann. Kern der Kooperation zwischen den Musikschulen vor Ort und Kindertagesstätten ist eine regelmäßige Zusammenarbeit zwischen Erzieherinnen und musikpädagogischen Fachkräften.

SBS - Die Fortentwicklung 2012
Die neue Landesregierung wird nicht, wie von der alten noch geplant, das Programm in die Grundschule fortführen. Die geplanten sechs aufeinander folgenden Jahrgänge, zwei im Kindergarten und vier in der Grundschule, würden an allen 1400 Standorten jährlich rund 25 Millionen Euro kosten, rechnet Staatssekretär Frank Mentrup im Januar 2012 vor. "Da das Programm nicht in der mittelfristigen Finanzplanung verankert war, konnten wir lediglich durch Einlösung einer Verpflichtungsermächtigung die Fortführung des Programms bis Juli 2012 garantieren", so Mentrup weiter. Auch könnten keine weiteren Kooperationen neu in das Programm aufgenommen werden. "Der Landesregierung ist es aber ein großes Anliegen, die frühkindliche Förderung für alle Kinder auszubauen und erfolgreiche Konzepte für die Entwicklung förderbedürftiger Kinder dann auch wirklich allen, die in ihrer Entwicklung auf diese Konzepte angewiesen sind, zugänglich zu machen. Wir werden daher das wertvolle musikpädagogische Förderprogramm "Singen - Bewegen - Sprechen (SBS)" im Rahmen des Ausbaus intensiver Sprachförderung nachhaltig verankern und damit vom ersten Kindergartenjahr an überall umsetzbar machen. Eine Fortsetzung in die Grundschule wird es darüber hinaus mit Landesmitteln nicht geben."
Enttäuschung und Skepsis bei den Betroffenen
Dagmar Bein, Kindertagesstätte Kohlerhof, ist skeptisch: Den Start mit dem ersten Kindergartenjahr findet sie zu früh. Die Kinder müssten mit drei Jahren erst in der Kindertagesstätte ankommen, sich zurechtfinden. Dann gäbe es für manche Kinder noch andere Förderprogramme. Das würde dann zu viel für die Kleinen.

"Eine Fortführung von SBS-Fördermaßnahmen mindestens in der ersten Grundschulklasse wäre aus Gründen der pädagogischen Nachhaltigkeit außerordentlich zu begrüßen", meint Matthias Hinderberger, Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen Baden-Württemberg. Hinderberger, selbst Schulleiter der Musikschule Breisgau in Gundelfingen, spricht insgesamt von einer Erfolgsgeschichte des Programms die er mit Zahlen eindrucksvoll belegen kann: Gegenwärtig wird das Programm mit insgesamt 38.700 Kindern durchgeführt. In 90 Prozent der Gruppen, die seit Herbst 2010 dabei sind, konnten deutlich überdurchschnittliche Fortschritte bei der Entwicklung der Sprachkompetenzen der beteiligten Kinder festgestellt werden.
Christoph Bayer meint dazu:
"Ich halte die musikpädagogische Früherziehung für außerordentlich wichtig und ich bin sicher, dass in den kooperierenden Kindertagesstätten und Musikschulen hervorragende Arbeit geleistet wird. Daher sollten alle Kinder in den Genuss dieser Förderung kommen." Bayer trägt die Linie des Kultusministeriums mit: Ausweitung des Programms auf alle Kindertagesstätten, die einen Antrag stellen und keine Fortführung des Programms in die Grundschulen hinein. Das sei finanziell nicht darstellbar.
Mittelfristig, so der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion weiter, sollte darüber nachgedacht werden, ob der Rückbau der musikpädagogischen Ausbildung, wie dies an sozialpädagogischen Fachschulen in den letzten Jahren zu beobachten gewesen sei, sinnvoll war. Die Erzieherinnen und Erzieher in diesem Bereich wieder zu stärken und so wieder mehr Musik in den Alltag der Kindertagesstätten zu bringen, habe vermutlich nachhaltigere Wirkung als ein Landesprogramm.
Bildungspolitik
Offene Bürgerschule als ein Bildungskonzept für Schule und Kommune
"Zur Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf", zitiert Christoph Bayer das bekannte afrikanische Sprichwort. Übersetzen lässt sich dies, dass die Bildung eines Kindes in der Verantwortung all derer liegt, in deren Mitte es lebt. Von den Ideen der Offenen Bürgerschulen könnten innovative Signale ausgehen, die die anstehenden Schulentwicklungsprozesse sinnvoll ergänzen.
Sozialpolitik
In der Altenpflege wird jeder gebraucht
Zahlreiche Fachleute und Verantwortliche von Pflegeeinrichtungen aus der Region waren Christoph Bayers Einladung zum Fachgespräch über die "Eckpunkte des neuen Heimgesetzes und deren Auswirkungen auf Einrichtungen der Region" in den Schwanenhof nach Eichstetten gefolgt, um ihre Anregungen und Hinweise zur Qualität der Pflege, zum Fachkräftemangel, zur Heimaufsicht und den Angebotsstandards einzubringen.
Energiepolitik
Die Energiewende wird sozial demokratisch
In der Malteserhalle in Heitersheim konstatierte Christoph Bayer: In Bezug auf die Energiewende ist der südliche Oberrhein Modellregion für Baden-Württemberg, vielleicht für ganz Deutschland!
Vor diesem Hintergrund diskutierten fünf Referenten und zahlreichen Gäste aus regionaler Politik und Wirtschaft Chancen und Schwierigkeiten der Energiewende.
Wahlkreis
Was Hänschen nicht lernt, kann Hans noch lernen
Am 16. November 2012 fand der 9. Bundesweite Vorlesetag statt. Nach Christoph Bayers Vorlesestunden in einem Kindergarten und im Seniorenheim in Ehrenkirchen unterhielt er sich mit Eva von Rekowski, Leiterin der VHS Freiburg, warum sich über 7 Millionen Analphabeten in Deutschland noch als Erwachsene mit dem Lesen und Schreiben plagen. Als Gast in dieser Runde berichtete Roland Löffler von den Besonderheiten eines Lebens ohne Schriftkenntnis.
Bildungspolitik
Schulsozialarbeit wird zur Erfolgsgeschichte
Seit Januar 2012 beteiligt sich das Land Baden-Württemberg wieder zu einem Drittel an den Kosten der Jugendsozialarbeit an Schulen. Nun gehen die Bewilligungsbescheide für das Schuljahr 2012/13 an Schulen und Kommunen.
Für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald werden das bis Ende des Schuljahres 11,5 Vollzeitstellen sein. Bisher waren es lediglich zwei.
Energiepolitik
Stromquelle Wasser
Dass früher die alte Mühle am Bächlein emsig klapperte und dazu beitrug, den Menschen ihr tägliches Brot zu bescheren, lernten Generationen von Schulkindern bereits im Musikunterricht.
Doch die Wasserkraft ist auch heutzutage als Stromquelle mit hoher Energieeffizienz von enormer Bedeutung und hat hier im Südwesten noch ein großes Ausbaupotenzial.
Sozialpolitik
Altenpflegerin wäre eigentlich ein guter Beruf
Wenn man für die Zuwendung für alte Menschen Zeit hätte. In Kindertagesstätten würden mehr Männer arbeiten, wenn man von dem Gehalt eine Familie ernähren könnte. Mit Fachleuten diskutierte Christoph Bayer in der Villa Artis in Heitersheim die Bedeutung der sozialen Arbeit in unserer Gesellschaft, die Ansprüche an die Professionalität der Fachkräfte und den Bedarf an Ehrenamtlichen als Ergänzung für fachliche Arbeit.


