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Verschlechterung für Langzeitarbeitslose

Werden langzeitarbeitslose Menschen einfach vergessen?

"Der Arbeitsmarkt spürt noch nichts von der Finanzkrise und die Perspektive für das laufende Jahr ist noch günstig." Bärbel Höltzen-Schoh, Geschäftsführerin der Arbeitsagenturen Freiburg und Offenburg, informierte Christoph Bayer, MdL, über den regionalen Arbeitsmarkt und die Situation im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.
Mit Engagement vermittelte Höltzen-Schoh, dass es trotz recht guter Zahlen, Zuwächsen an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen und einer großen Dynamik auf dem Arbeitsmarkt - monatlich melden sich zur Zeit 2000 Menschen in Freiburg arbeitslos und 2100 finden eine neue Arbeit - gilt, genauer hinzusehen: "Mir macht die verfestigte Hilfebedürftigkeit Sorgen: Von denjenigen, die von der Arbeitsagentur Leistungen beziehen, bekommt jeder vierte dies bereits seit fünf Jahren." Die massiven Mittelkürzungen für die Arbeitsagenturen und der Wegfall der Arbeitsgelegenheiten nach dem neuen "Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt" benachteiligen diejenigen zusätzlich, die es aus unterschiedlichen Gründen besonders schwer haben.
Die Agenturchefin schätzt, das beträfe deutschlandweit derzeit mehr als eine Million Menschen. "Man gewinnt den Eindruck", resümiert Christoph Bayer betroffen, "dass mit all diesen Maßnahmen die Bundesregierung deutlich macht: Langzeitarbeitslose kann man vergessen."


Bärbel Höltzen-Schoh, Geschäftsführerin der Arbeitsagenturen Freiburg und Offenburg, im Gespräch mit Christoph Bayer.
 

Umso wichtiger ist ein Sozialer Arbeitsmarkt

Der Bund, nicht das Land, setzt die wesentlichen Eckpunkte für die Arbeitsmarktpolitik. Dennoch formuliert das Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg eigene Schwerpunkte: "Zielgruppe der Arbeitsmarktpolitik des Landes sind schwer vermittelbare Arbeitslose, die ohne zusätzliche Hilfen kaum noch Chancen haben, einen Arbeitsplatz zu finden." Für diese Gruppe von arbeitslosen Menschen wurde in den letzten Jahren bundesweit eine Reihe von Förderprogrammen, wie z.B. die 1-Euro-Jobs, entwickelt. Aber, so haben aktuelle Studien ergeben, nur zwischen zehn und zwanzig Prozent der langjährig arbeitslosen Menschen schaffen über die derzeitigen Förderprogramme den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt. Anscheinend funktionieren diese Programme nicht. Daher schafft sie die Bundesregierung mit dem "Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt" gleich ganz ab. Aber: "Die Frage ist falsch gestellt", stellt Bärbel Höltzen-Schoh, die Chefin der Arbeitsagenturen, fest. "Nicht der erste Arbeitsmarkt kann das Ziel dieser Fördermaßnahmen sein, sondern so etwas wie ein sozialer Arbeitsmarkt. Wir brauchen diese Instrumente weiter, nicht aus Gründen der Arbeitsmarktpolitik sondern aus sozialpolitischen Gründen, und das dringender denn je!"

Aktuelle Zahlen der Agentur für Arbeit Freiburg (Auszug September 2011):

Beschäftigung: Das verarbeitende Gewerbe ist mit fast 30% Anteil die dominante Branche im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Die Beschäftigung wächst mit 7,3% überdurchschnittlich, allerdings auch der Niedriglohnsektor. Mit 24,7% ist er überdurchschnittlich ausgeprägt. Die Ausbildungsquote ist mit 7,2% vergleichsweise hoch.
Arbeitslosigkeit: Aktuell sind 4175 Personen im Landkreis arbeitslos, das ist mit 3,2% eine niedrigere Quote als im Bund, im Land oder in Freiburg. Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 2,2% sehr niedrig. An Schwerbehinderten ging der Aufschwung lange Zeit vorbei. Erstmals waren seit September 2011 weniger schwerbehinderte Menschen im Landkreis arbeitslos als im Vorjahresmonat.
Demografie: Auch hier nimmt die Zahl der Jüngeren deutlich ab: Bis 2025 werden voraussichtlich 30% weniger 16-24jährige im Landkreis leben als heute. Die Zahl der 45-79jährigen steigt dagegen vermutlich um 47%
Soziales: 4,3% der Bevölkerung, das sind 7913 Menschen, sind hilfebedürftig und erhalten vom Jobcenter Grundsicherung, deutlich weniger als im Bundes- und Landesdurchschnitt. Jeder vierte erwerbsfähige Leistungsberechtigte bezieht diese Grundsicherung bereits länger als fünf Jahre. Etwa ein Drittel der Leistungsberechtigten erhalten die Grundsicherung, obwohl sie arbeiten, weil ihre Einkünfte zu gering sind.

 

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